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50 Jahre Rock

Live-Sendung des ZDF in der Preussag Arena Hannover

(Quelle: Production Partner 10/2004)

Mit einem für ZDF-Verhältnisse sehr hohen Anteil an Livemusik ging im ZDF die dreistündige Live-Sendung ,,50 Jahre Rock" über den Sender. Um sowohl den 10.000 Fans in der Preussag Arena Hannover wie auch den durchschnittlich 5,5 Millionen Fernsehzuschauern einen optimalen Ton mit besten Bildern zu liefern, hatte das ZDF in Zusammenarbeit mit Neumann & Müller bezüglich des Tons eine erstklassige Mannschaft am Start. Ins richtige Licht setzten die Show LD Jerry Appelt und sein Team. Die Moderation lag in den bewährten Händen von Thomas Gottschalk.
ZDF-Mitarbeiter Gerd Braunewell hatte das Gesamttonkonzept erstellt, in das die Ü-Wagen, die Monitor- und die Beschallungspulte einbezogen waren. Im Detail stimmte er sein Konzept mit den Neumann & Müller-Mitarbeitern Steffen Schlupp und FOH-Engineer Omar Samhoun ab, wobei Neumann & Müller für den gesamten Liveton und den Monitorsound in der Preussag Arena verantwortlich zeichnete. Seitens des ZDF war zudem Klaus Wesselsky maßgeblich in die Planung und Umsetzung eingebunden, wobei sein Part der Fernsehton war. Klaus Wesselsky arbeitet seit vielen Jahren mit Gottschalk zusammen und ist für den Sendeton von "Wetten Dass..?" verantwortlich. Somit hatten die Neumann & Müller-Verantwortlichen für den guten Ton "im Haus" und das ZDF für den guten Ton zu Hause zu sorgen. Laut Klaus Wesselsky kam es vor allem darauf an, dass "für den Fernsehzuschauer der Rockmusik-orientierte Ton im Wohnzimmer ankam". Um das zu realisieren, musste der Livesound in der Preussag Arena einen gewissen Pegel liefern. Wäre dieser zu niedrig gewesen, wäre das auch im Wohnzimmer entsprechend dünn angekommen. Und in der Preussag Arena hätte man es ganz sicher anhand der entsprechenden Publikumsreaktionen gespürt.

Nicht weniger als fünf YamahaPM1D wurden für FOH und Monitor „verbaut“

FOH, Monitor und Ü-Wagen
Es galt, rund 200 Eingangssignale zu verwalten und mit aufwändigen Splittern an die verschiedenen Pultplätze via Glasfaserkabel zu verteilen. Für jeden Bereich - Ü-Wagen, Monitor und FOH - gab es ein zentrales Pult, das für die Sendeabwicklung zuständig war. Dazu kamen am FOH und im Ü-Wagen zwei so genannte Livepulte, eines für die All-Star-Band und eines für die anderen Bands. Im Monitoring genügte neben dem Sendepult ein weiteres Livepult. Aus dieser komfortablen Situation resultierend konnten die Livepulte während der Umbauten im Laufe der Sendung „in Ruhe“ ihre Linechecks machen und alles Erforderliche vorbereiten, während der jeweilige Kollege am Sendepult die Sendung fuhr. In der Livesituation galt es vor allem dem Moderator zu folgen, denn seine Moderation war maßgebend für den Sendeverlauf. Laut Gerd Braunewell, der schon für einige Sendungen mit Gottschalk gearbeitet hatte, bestimmt Gottschalk im Prinzip ganz allein wie viel Zeit seine Moderation in Anspruch nimmt. Diese Spontaneität macht ihn aus. Somit haben die verantwortlichen Pultleute an seinen Lippen zu kleben.
Klaus Wesselsky hob hervor, dass die optimale Trennung und Mischung von Wort- bzw. Moderationsmikrofonen einerseits, und Gesangsmikrofonen andererseits ein wichtiger Bestandteil des Tonkonzeptes bildete. Durch die individuelle Zuweisung auf den Konsolen der verschiedenen Bereiche stellten die unterschiedlichen Pegel keinerlei Problem dar. Zu keiner Zeit entstand somit bei den Übergängen von kraftvoller Musik zur Moderation und umgekehrt ein dynamischer Bruch, wobei Klaus Wesselsky bei dieser Sendung den Moderations-Ton gegenüber dem Musik-Ton um zirka 3 dB absenkte. Somit schuf er einen kleinen dynamischen Absatz, der bei dieser Art von Musik durchaus angenehm war. Bei anderen "herkömmlichen" Musiksendungen sind die Pegel von Musik und Moderation eher ausgeglichen.

Für FOH und Monitor kamen insgesamt fünf (!) Konsolen Yamaha PM1D zum Einsatz. Dabei waren drei PM1D am FOH und zwei Konsolen am Monitor aktiv. Hinsichtlich der Aufteilung am FOH-Platz war das PM1D Nr. 1 als Sendepult eingeteilt und wurde von FOH-Engineer Robby Höhne verwaltet. Auf dem PM1D Nr. 2, betreut von Omar Samhoun, liefen die Livesignale der All-Star-Band „The Soulmates” ein. Am PM1D Nr. 3 mischte FOH-Engineer Andreas Kremer die übrigen Livebands. Die Summen der Konsolen 2 und 3 führte man auf die PM1D Nr. 1 und spielte diese schließlich ins FOH-Soundsystem der Q1-Serie von d&b ein. Zudem wurden sämtliche Moderations-, Halbplayback.- und Vollplaybacksignale über die PM1D-Konsole 1 gemischt und dem Soundsystem zugespielt. Ähnlich verlief die Aufteilung im Monitorbereich, wobei hier lediglich ein von Monitor Engineer Ekki von Nordenskjöld betreutes PM1D für sämtliche Livebands zuständig war.
Das Sendepult am Monitorplatz stand unter der Regie von Monitor Engineer Peter Riegel. Lediglich BAP hatte mit einem Yamaha DM 2000 ein eigenes Monitorpult am Start. Sowohl im Monitor wie auch am FOH kamen nahezu ausschließlich die Effekte der PM1D-Konsolen zum Einsatz. Als externes Effektgerät war lediglich ein Lexicon 480L für den FOH-Sound der All-Star-Band am Start. Im Monitorbereich wurde ebenfalls kein externes Effektgerät eingesetzt. Um einen ausgewogenen Sound in der Halle zu realisieren, verließen sich die drei FOH-Verantwortlichen nicht auf ein SIM-System, sondern auf die geschulten Ohren, wobei FOH-Engineer Robby Höhne als gelernter Akustiker hier federführend war.
Zur Planung der optimalen Hallenbeschallung wurde die d&b-Array-Planungssoftware Q-Calc zur detaillierten Konfiguration des Q1 Line-Arrays eingesetzt. Auf der Bühne waren d&b M2 und gelegentlich d&b Max als Wedges positioniert. Als Sidefills kamen ebenfalls Lautsprecher des d&b Q1 Line-Arrays zum Einsatz. Die gesamte drahtlose Mikrofon- und In-Ear-Technik war ein Mix aus Shure- und Sennheiser-Equipment. Für die Moderation kamen ausschließlich Sennheiser SKM 5000, auch bekannt als „Neuheiser-Mikrofone“, zum Einsatz. Gottschalk verwendete ein Sennheiser-Headset mit entsprechendem Taschensender. Für den Gesang der All-Star-Band wurden ebenfalls ausschließlich Sennheiser SKM 5000 verwendet. Alle anderen Sänger benutzten Shure-Mikrofone.
Die drei Ü-Wagen waren im Wesentlichen mit je einem Digitalpult Studer 950 in Verbindung mit Urei-Kompressoren, je einem Lexicon 480L, PCM81 und PCM 91 und einem Sony DRE-S777-Raumsimulator ausgestattet. Hinsichtlich der Aufteilung arbeiteten die Ü-Wagen simultan zu den FOH-Plätzen. Dabei war für den Ton der AllStars-Band Engineer Thomas Velte und für alle anderen Livebands Engineer Andreas Rau zuständig. Parallel zapfte übrigens Peter Brandt mit dem Recording Mobile von Eurosound das Splitter-System an, um den optimalen Sound für die DVD zu 50 Jahre Rock zu erstellen.

Licht
Das Lichtkonzept entwarf Michael Donecker, 1. Kameramann beim ZDF. Für die Umsetzung des Konzeptes beauftragte das ZDF Procon, wo man Jerry Appelt mit dem Projekt betraute. Für die technische Gesamtleitung seitens Procon war Steffen Brandt verantwortlich. Hinsichtlich der eingesetzten Moving Lights kamen 166 MAC 550, zwei Ireos 7 kW, 20 MAC 2000 und 12 Synchrolites SX3K 3 kW zum Einsatz. Dazu waren 42 ACL Single Bars á 4 Stück, 68 8-Lite-Blinder mit Farbwechslern, 58 5-kW-Stufenlinsen, davon 21 mit Farbwechslern, 80 6er-Bars CP60 und 26 Single Bars ACL 600 Watt installiert. Gesteuert wurde das Showlicht mit zwei via MIDI verbundenen WholehogII-Konsolen plus Expander, die von Sascha Matthes überwacht wurden. Das TV-Licht wurde mittels einer weiteren WholehogII-Konsole von Tanja Nowak gesteuert. Sämtliche Konsolen waren nochmals als Backup installiert. Für die Spot Calls der vier Spot-Operator war Uli Kluge zuständig, wobei hier vier Unispots 2,5 kW als Trussfollows eingesetzt wurden. Als weitere Bühnenelemente kamen zwei Rückprojektionswände an der rechten und linken Bühnenseite sowie eine mittig platzierte Barco-LED-Wand zum Einsatz. Als Dekorationselemente dienten zwei riesige Spiegelkugeln. Procon lieferte zudem das gesamte Rigging.

Text und Fotos: Ralph Larmann

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