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Rotorgeknatter und Streicherklang

Der Hangar-7 in Salzburg eröffnet mit Stockhausens „Helikopter-Streichquartett“

(Quelle: WORLD OF EVENTS 2004, Ausgabe 14, November 2003)

Langsam steigen die vier Transporthubschrauber in den Himmel über dem Salzburger Flughafen auf. Das Fauchen der Turbinen und das Geknatter der Rotorblätter werden immer lauter. 20 Minuten lang kreisen die Black Hawks des österreichischen Bundesheeres über dem Hangar-7. An Bord der Maschinen: Jeweils ein Mitglied des Stadler-Quartetts mit seinem Instrument. Erste und zweite Violine, Viola und Cello. Ihre Mission: Die Aufführung von Karlheinz Stockhausens "Helikopter-Streichquartett". Dies hatte der Komponist zwar schon vor 10 Jahren als Teil seines monumentalen "Licht"-Opernzyklus vollendet, aber das Auftragswerk der Salzburger Festspiele sollte nach einer Uraufführung 1995 in den Niederlanden nun in dieser Saison eben dort selbst dargeboten werden.

Der Energydrink-Hersteller Red Bull hatte das Konzert zum 75. Geburtstag Stockhausens ermöglicht und dies mit dem Eröffnungsprogramm des neu erbauten Hangar-7, einem futuristischen Flugzeugmuseum, gekonnt verbunden. Über 3000 Gäste waren der Einladung gefolgt, darunter viele prominente Gesichter wie Prinz Albert von Monaco oder das Modell Naomi Campell, die mit ihren Eintrittsgeldern gleichzeitig eine karitative Einrichtung unterstützten. Und sie erlebten eine einzigartige Inszenierung: Eine Melange aus schwirrendem Rotorengeknatter und Streicherklang, akzentuiert durch ein gelegentlich geflüstertes bis gebrülltes Zahlenrufen der Musiker oben im Hubschrauber. All dies wurde über tragbare Mischpulte verstärkt und einzeln via Richtfunk an eine Bodenstation gesendet.

Schwerstarbeit für die Mitglieder des Stadler-Quartetts und die Piloten, die sich ebenfalls an die Partiturangaben des Komponisten halten mussten. Denn die Musiker hörten über ihre Kopfhörer nicht den Gesamtklang, sondern eine Monitormischung aus den Außenbordmikrofonen am Einstieg und der Nase der Hubschrauber, vom Pickup-System am eigenen Instrument sowie der zusätzlichen Taktspur, die in umgekehrter Richtung vom Boden an die Maschinen gefunkt wurde. Zugleich sollten die Streicher dynamisch auf die von außen in die Kabine eindringenden Rotorgeräuschen reagieren.

Im Hangar-7 wurde von einer eigenen Regie (Tontechnische Gesamtleitung: Peter Hecker, Tonmischung "Helikopter-Streichquartett": Andre Richard) die Mischung der einzelnen Signale realisiert, die von der Richtfunkbodenstation kommend in einem Ü-Wagen aufliefen und dort für die Inszenierung im Saal sowie der parallelen Mehrspuraufnahme bereitgestellt wurden. Das Münchner N&M-Team um Wolfram Kolb und Robby Höhne (Beschallung) sowie Peter Kurz und Michael Baganz (Licht) setzten die neuen Q 1-Module von d&b audiotechnik als einzelne Quellen ein, die den vier Helikoptern jeweils zugeordnet waren. Um eine gleichmäßige Mischung im Saal zu erreichen, installierten sie für die vorderen Sitzreihen nochmals vier Quellen mit je zwei Q7-Systemen, die über eine Digitalmatrix ortungsgerecht zum Bild versorgt wurden. Denn das Klangerlebnis konnte auch visuell auf vier LED-Wänden verfolgt werden, übertragen von Kameramännern an Bord der Black Hawks.

Fasziniert und begeistert hörten und sahen die Gäste Stockhausens Aufführung - um gleich im Anschluss das nächste Highlight der Eröffnungsfeier zu genießen. Auf dem Freifeld vor dem Hangar bot das spektakuläre Flugtheater "Taurus Rubens" seinen spielerischen Dialog zwischen Menschen und Flugzeugen dar. Nach einem Eintauchen in die griechische Mythologie zwischen Himmel und Erde schauten die Besucher gebannt auf einen 35 Tonnen schweren Monolithen, der unter ihren Augen geräuschvoll in den Hangar gezogen wurde. Was keiner ahnte: Der Monolith verbarg das gesamte Catering für das Soiree. In einer krönenden Abschlussinszenierung öffneten sich die Deckel von zwölf so genannten cooking cubes, die um den Monolithen positioniert waren - hier zeigten jetzt die Köche ihr Können und sorgten nach dem Spektakel für Ohren und Augen nun für anregende Gaumenfreuden. Ein Fest für alle Sinne also.

Weitere Informationen:
WORLD OF EVENTS 2004
Halle 1 Stand 133

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