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Schlossfestspiele mit d&b Q-Serie
Festival der Sinne – unter diesem Motto luden die Ludwigsburger Schlossfestspiele wiede zum Seeschloss Monrepos, vor dessen Kulisse erstmals die d&b Q-Serie für einen perfekten Klassikgenuss der 9000 Besucher sorgte.
(Quelle: Production Partner 8/2003)
Eingebettet in eine wundervolle Kulisse aus Waldsee und Schlossanlagen kreierte Neumann&Müller ein Licht- und Sound- Design, das der Veranstaltung sicher auch in Zukunft ausverkaufte Klassik-Events mit garantieren wird. Das den Bauer-Studios, die mit Eva Bauer-Oppelland und Adrian von Ripka für Mikrofonierung und Mischung sorgten - zur Verfügung gestellte Beschallungs-Design basierte diesmal in erster Linie auf der neuen Q-Serie von d&b, die in diesem Herbst ihre Markteinführung erfahren wird, und einem ebenfalls erstmals hier eingesetzten Surround-Konzept.
Klassik-Surround
Ein wichtiges Stichwort bei derartigen Sound-Designs ist die "Umhüllung": Kritische Konzertbesucher, die über eine lange Hörerfahrung oder festgelegte Hörerwartung verfügen, lassen sich oft nur schwer von derartig beschallten Veranstaltungen begeistern. Neben kritischen Parametern wie der Verfärbungsfreiheit wird der Klang einfach als unnatürlich empfunden. Ein Grund dafür wird wohl in den fehlenden Raumreflexionen liegen. die in der gewohnten Konzerthalle rundum eintreffen und für das geliebte akustische "Wohlgefühl" sorgen. In einer Parkanlage wie in Ludwigsburg ist davon nichts zu erwarten, abgesehen von eher störenden Rückwürfen: Das Audio- Team setzte sein ganzes Engagement dafür ein, im hinteren Bereich des Zuschauerraums aufgebaute Technik so mit Stoff zu verhängen, dass hier er- zeugte diskrete Reflexionen unterbunden wurden. Selbst die verbliebenen blanken Streben sorgten noch für Stirnrunzeln bei System-Ingenieur Matthias Reusch (Dipl.- Ing. Ton- und Bildtechnik) und Projektleiter Norbert Frank (Neumann&Müller Stuttgart), und auch einem nachträglich befestigten Sponsoren-Transparent blieb nur eine kurze "Hängezeit" beschieden. Ein Zeichen dafür, welche freie Hand und große Wertigkeit man der Ton-Crew zugesteht - es muss wohl glücklicherweise nicht immer nur gegeneinander gehen. Der unnatürlich "trockenen" Atmosphäre begegnete man nun mit einem Lexicon 960, das aber nicht einfach nur auf die PA gegeben wurde, sondern dessen Surround- Signale auf zwei jeweils seitlich der Hörerfläche positionierte Tower mit je zwei auseinander gewinkelten d&b C7 gelangten. Um die hier nahe sitzenden Hörer nicht zu sehr nur mit "nassem" Signal zu beschallen und den Gesamtsound ein wenig um die Hörerschaft herumzuziehen, gelangte auch noch etwas (passend zeitangepasstes) Direktsignal auf diese Raumklang-Positionen. Die Skepsis ob dieser Vorgehensweise wich dann schnell der Begeisterung, wenn man mehrfach zwischen dem Routing nur PA L/R oder dann L/R plus Surround-Tower hin- und herschaltete (übrigens komfortabel via Yamaha PM1-D und Wireless-LAN- Laptop): Wenn man sich nicht gerade direkt in den Reihen um die Tower herum aufhielt, war der Sound absolut natürlich, "richtig" und ohne störende seitliche Irritationen, beim Abschalten der Surrounds fiel er dagegen regelrecht in sich zusammen hin zum Eindruck "da vorne wird was verstärkt". Zuschauer ganz hinten auf einem kleinen Hügel wurden zudem per Delay aus C4 bedient.
d&b Q-Serie
Im Mittelpunkt des audiotechnischen Interesses standen die Komponenten der Q-Serie von d&b, die bei dieser Veranstaltung bereits vor ihrer offiziellen Markteinführung im Herbst zu erleben waren. Die beiden Bestandteile des Namens deuten auf das Konzept: Das "Q" steht für den Designaspekt maximal kontrollierter Abstrahlung, die "Serie" dafür, dass es hier nicht einfach nur um einen festgelegten Lautsprecher- oder Anwendungstypus geht, sondern einen Systemgedanken. Die Q-Serie umfasst bereits mit den Modellen Q1, Q7 und Q-Sub drei Module, wobei in Ludwigsburg wegen ihrer Verfügbarkeit bei N&M statt der Q-Sub auf d&b B2 zurückgegriffen wurde. Q1 und Q7 basieren auf gleicher Gehäuseform und Bestückung (jeweils ein 1,3"-Hochtontreiber und zwei 10"-Neodym-Chassis in Dipol-Anordnung). Allerdings werden im Hochtonsegment alternativ ein drehbares CD-Horn für eine Abstrahlung von 75° x 40° eingesetzt (Q7), in der Q1 dagegen ein Toroid-Wellenformer. Die Anordnung der beiden l0er ist nicht allein für eine sehr kontrollierte Abstrahlung bis 400 Hz hinunter (in einer Ebene) verantwortlich: Der Übergangsbereich zum Hochtontreiber wird nicht einfach passiv oder aktiv getrennt, sondern sehr aufwändig passiv mit komplexen Überlappungsbereichen realisiert und durch zusätzliches Processing der ebenfalls neuen d&b-Amps D12 (u. a. analoge/digitale In/Outs, parametrische EQs, Delay etc.) ergänzt. Die Wellenformer im Hochtonbereich der Q1 sind für eine vertikale Abstrahlung von 15° (oberhalb von 5 kHz) gestaltet, der Anwendungszweck liegt auf der Hand - das Erzeugen einer gekrümmten, kohärenten Wellenfront im Sinne eines Line-Arrays.
Rigging und Konfigurations-Beispiele
Beim Rigging hat d&b alle angestrebten Anwendungsfälle berücksichtigt - und da hat man weit mehr im Auge als "nur" ein Line-Array. Auf der oberen Seite einer quer liegenden Q1 oder Q7 sitzt mittig ein Quick-Lock-Adapter. An diesem lässt sich flach und sehr platzsparend ein Flugadapter für bis zu drei Lautsprecher bündig ansetzen. Wird die Box hochkant betrieben (typische Anwendung auf Hochständer), greift hier seitlich und einseitig ein Schwenkbügel an. Addiert man mehrere Module übereinander, erfolgt die Verbindung über einzelne Array-Links (kurze, flache und gelochte Schienen) und Locking Pins. Je zwei Array-Links werden vorne und hinten in die Aufnahmen der Gehäuse gesteckt und jeweils per untereinander verbundenem Paar von Pins gesichert. Damit kann natürlich eine Line unter einen Flugrahmen gehängt werden, wie dies in Ludwigsburg realisiert wurde. Kombinationen aus bis zu drei Modulen darf man schließlich auch an den kleinen Flugpins M2 abhängen, die sich an mehreren Positionen der Box anbringen lassen.
Q1 und Q-Sub können aber auch am Boden gestackt werden, auch hier dient das Standard-Rigging-Zubehör der Verbindung, und ganz bewusst weist d&b besonders auf die kleinen Setups hin, die sich erzielen lassen. Beispiel: Zwei flach aufeinander liegende Q1 auf gestackten Bässen Q-Sub, der Winkel zwischen den Q1 oben und dem Q-Sub unten ist dann einstellbar von -6° bis +7° zur Ausrichtung der "Tops" auf das Publikum. Ein Pool aus Q1, Q7 und Q-Sub in Verbindung mit den neuen Digital-Amps D12 versetzt einen Verleiher also in die Lage, Lösungen von der einfachen Hochständeranlage bis zum ausgefuchsten Array zusammenzustellen. Auch in Ludwigsburg kam dies schon zum Tragen: einige Q7 dienten vorne als Nearfills. Apropos Array: deren Kalkulation dient der Q1 Array Calculator. Ein solches Array ist vielleicht nicht komplizierter als ein "normales" Cluster, aber erst durch eine penible Planung werden dessen Vorteile in vollem Umfang nutzbar. Mit dem Calculator wurden daher im Vorfeld diverse "Bananenformen" durchgespielt, um eine optimale Schallverteilung von den ersten Reihen bis hinten zu erzielen und auch das Verhältnis High Mids / Low Mids zu kontrollieren. Gerade bei diesem Typ von Veranstaltungen ist das wichtig: Ganz vorne sitzen die wichtigsten Leute, wo der Sound stimmen muss - dennoch soll er bis hinten tragen. Die Audio-Crew konnte sich zudem im Rahmen des Vertrautmachens mit der Q-Serie den Luxus leisten, im Vorfeld vor Ort drei in Frage kommende Varianten aufzubauen und zu testen. Entsprechend positiv fiel dann auch das Ergebnis der Arbeit aus. Musiker, Techniker und Publikum wurden von einem sehr homogenen, transparenten Sound verwöhnt, der bereits während der Soundchecks System-Ingenieur Matthias Reusch begeisterte: "Noch nie habe ich so gute Bläser gehört!" Und auch Adrian von Ripka zeigte sich nach erfolgter Mischung zufrieden: "Wir haben keinerlei Phasenprobleme mehr beobachtet, wenn man durch die Reihen ging. Das Klangbild zeigte eine wesentlich exaktere Abbildung der Signale, was sich auch bei der Ortung und dem Panning bemerkbar machte. Außerdem war der Frequenzgang über weite Strecke sehr ausgeglichen, so wie ich das bisher in dieser Gleichmäßigkeit über weite Entfernungen noch nicht gehört habe. Ich konnte einen schönen, ausgewogenen Klang gestalten, der auch in lauteren Stellen nicht irgendwie giftig oder unangenehm wurde. Mit der Surround-Lösung schließlich ließ sich statt eines punktuellen Klangs mehr ein Klangerlebnis gestalten, von dem ich sehr begeistert war."
Text: Detlef Hoepfer
Fotos: Detlef Hoepfer



