Anruf bei Stefan Hoffmann

Quelle: Faktor Sport - Das Magazin des DOSB 4/2014

Das Rumreisen kannte Stefan Hoffmann von seinem Job bei Neumann&Müller. Früher ist der 38-Jährige Transporter für das Unternehmen durchs ganze Land gefahren, um Ton-, Licht,- und Videotechnik von einem Event zur anderem zu bringen. Ein bewegter Job. Kurios nur: Seitdem Neumann&Müller 2010 die Partnerschaft mit dem DOSB hat und die Deutschen Häuser bei Olympischen Spielen mit fachgemäßem Medienequipment versorgt, seitdem also der Link zu einer geradezu kosmopolitischen Einrichtung besteht, die alle zwei Jahre irgendwo auf der Welt Station macht, seitdem kommt Stefan Hoffmann kaum mehr aus dem Büro raus. Was man ergänzen muss: Das liegt nicht am Deutschen Haus.

Stefan Hoffmann, N&M München

Die Sesshaftigkeit ist eher darin begründet, dass sich Hoffmann in Taufkirchen bei München mittlerweile Standortleiter nennt ("Ich bin nicht Chef, das sind andere") und damit bei einer der großen deutschen Eventtechnikfirmen 'für den ganzen Verwaltungskram und die Personalpolitik' verantwortlich ist. "Das ist meinem Background geschuldet, als Betriebswirtschaftler unter lauter Technikern" sagt er und schiebt nach: "Macht mir aber auch Spaß." Rund 450 Kollegen und - durchaus üblich in diesem Metier - 1600 freie Mitarbeiter gehören zum Sound-Kosmos. Wobei Sound zu kurz greift, um das Einsatzfeld mit Beschallung, Beleuchtung, Videotechnik und Event-IT zu beschreiben. "Unser hauptsächliches Geschäft spielt sich im Industriesektor ab", sagt Stefan Hoffmann. Nur kein Privatkundengeschäft - "und nix im Rock'n Roll-Bereich. Das erzählen wir auch immer den Bewerbern, die glauben, bei uns könnten sie mit der Band Metallica um die Welt ziehen." Dafür eben Olympia.

Die Verbindung zum DOSB gründet auf einem persönlichen Kontakt von Hoffmann zur Deutschen Sport Marketing (DSM), der Agentur, die sämtliche Vermarktungsaktivitäten des DOSB bündelt und dem Projekt Deutsches Haus zu seinem professionellen Auftritt verholfen hat. Dass die Partnerschaft zufällig zustande kam, sollte nicht irreleiten; natürlich folgt das Engagement einem Plan. In seinem Mittelpunkt stehen Geschäftskunden, stehen Themen wie etwa Netzwerke knüpfen. Hoffmann sagt: "Wir haben in Sotschi drei Pavillons im Olympiapark ausgestattet. Die Aufträge haben wir zwar nicht bekommen, weil wir DOSB-Partner sind, aber es hat uns trotzdem geholfen."

Ein zweiter, wichtiger Aspekt sei das "Employer-Branding", wie Hoffmann neudeutsch formuliert, intern wie extern. Die Partnerschaft im olympischen Umfeld soll also einerseits auf den Arbeitgeber Neumann&Müller abstrahlen und qualifizierte Bewerber anziehen, andererseits zur Motivation und Identifikation der vorhandenen Mitarbeiter beitragen. Um die Brücke zwischen Wirtschaft und Spitzensport stabiler zu bauen, unterstützen die Tonexperten die "Initiative Sprungbrett Zukunft" der Deutschen Sporthilfe - ein Projekt, das darauf abzielt, jungen Sportlern den Übergang ins Berufsleben zu erleichtern, durch Praktika und Ausbildungsplätze. "Ich finde den Ansatz interessant, denn Sportler bringen genau das mit, was ich als Personaler suche: Ehrgeiz, Motivation, Leistungsorientierung", sagt Hoffmann.

Ehrgeizig ist er im Übrigen auch: Hoffmann versucht so viele Stadien wie möglich kennenzulernen. 60 Arenen hat er weltweit schon gesehen. 2016 soll das Olympiastadion in Rio dazu kommen. Dafür würde er auch das Büro verlassen.


Drei Fragen:

Sie sind kein Techniker, verantworten in ihrem Unternehmen aber das Thema Olympia, also auch die Medientechnik im Deutschen Haus. Wie geht das?

Ich bin so eine Art Übersetzer. Ich muss nicht die Technik in Richtung Sport übersetzen, sonders andersrum. Ich erkläre meinen Kollegen die Welt dahinter, die Verbände, die Interessengruppen, die Bedürfnisse der Athleten. Und die andere Arbeitsweise. Außerhalb Olympias bekommen wir Aufträge immer kurzfristiger, manchmal erst 14 Tage vorher. Da beschweren wir uns manchmal, dass die Zeit nicht reicht. Beim Deutschen Haus beginnen wir die Planung zwei Jahre vorher. Auch das muss man lernen.

Was hat sie in den vergangenen Jahren am meisten beindruckt?

Ganz klar die Opening Ceremony in Vancouver. Einmalig. Das erleben nicht so viele, und ich weiß zu würdigen, dass ich dabei sein konnte. Und bei der Münchener Olympiabewerbung erinnere ich mich an die Entscheidung in Durban. Die Atmosphäre war toll, ich habe mich nie als Dienstleister gefühlt, der das Mikro richtet, sondern als Teil des Bewerbungsteams. Veranstaltungstechniker ist ein sehr spezieller Ausbildungsberuf.

Ist das eine Option für Spitzensportler?

In der Tat, Veranstaltungstechniker sind Tüftler, die schon in ihrer Kindheit die Schuldisko oder die Party bei Freunden mit Musik versorgt haben. Die wachsen in den Beruf rein, anders hat man auch keine Chance. Die Technik ist zu komplex. Aber es muss ja nicht der Soundregler sein: Die Stabhochspringerin Anjuli Knäsche zum Beispiel hat ein Praktikum im Controlling gemacht und Florian Wilmsmann, der Skicrosser, eines im Einkauf. Es bieten sich also genügend Möglichkeiten.