Der faire Lohn der Arbeit

(Quelle: World of Event 2008, Sonderpublikation von Event Partner)

Die Auftragslage für die Unternehmen der Veranstaltungstechnik ist glänzend. Doch die positiven Aussichten sollten eine eklatante Schieflage nicht überdecken: Der Wert der Arbeit wird nur unzureichend kalkuliert.

Es bewegt sich wieder etwas in unserem Land. Der wirtschaftliche Aufschwung, der in den beiden zurückliegenden Jahren nur von den Wirtschaftsweisen und den Chefvolkswirten der Banken erahnt wurde, ist mittlerweile „gefühlt“ auch bei den Bürgern angekommen. Nach einer aktuellen Umfrage geht jeder fünfte Deutsche davon aus, dass er im Jahr 2008 wieder spürbar mehr Geld in der Tasche haben wird – soviel Optimismus war schon lange nicht zu hören. Was besonders positiv stimmt: Die Verbraucher schätzen auch wieder die Qualität von Produkten und Dienstleistungen. Und die Bürger erkennen an, dass diese Qualität nicht zum Nulltarif zu haben ist. Geiz ist nicht mehr geil. Geiz war im übrigen auch niemals geil, sondern – volkswirtschaftlich gesehen – ein hanebüchener Unfug.

Verhältnismäßigkeit von Leistung und Vergütung

Wenn wir diese Zuversicht bei den Bürger und den Unternehmen erhalten wollen, sollten wir uns davor hüten, auf dem teilweise unter Schmerzen vollzogenen Weg wieder umzudrehen. Wir müssen vielmehr darauf achten, dass wir einen realistischen Blick auf das Gefüge richten, und dass eine Verhältnismäßigkeit – gerade von Leistung und Vergütung – wieder hergestellt wird. Es ist ein eklatantes Missverhältnis, wenn Arbeiter und Angestellte vom Lohn für einen Monat Arbeit ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten können; es ist eine ebensolche Diskrepanz, wenn Unternehmen für erbrachte Leistungen nicht den betriebswirtschaftlich notwendigen Preis berechnen können, sondern diese Leistungen über andere Wege (quer-)subventionieren müssen. 

Konkreter: Am 16. und 17. Januar 2008 werden im Rahmen der „World of Events“ die Dienstleistungsfirmen der Veranstaltungsbranche mit ihren Auftraggebern über Pläne und Projekte für das gerade begonnene Jahr sprechen. Die Anbieter für Veranstaltungstechnik werden ihre Preise für Ton, Licht, Video aufrufen; die Vergütung für die eingesetzten Techniker – vom Assistenten über den Meister bis zum Ingenieur – spielen dabei kaum eine Rolle. Sie laufen en passant mit, weil ihre Höhe für die Kalkulation nahezu unbedeutend ist. Der „Verband für Professionelle Licht, Ton und Veranstaltungstechnik" (VPLT) hat eine Aufstellung veröffentlicht, die eine marktgerechte Honorierung von Veranstaltungstechnikern beinhaltet. Mit Staunen werden die Anbieter feststellen, dass die Eingangstagessätze für einen Operator bei 400 Euro, für einen Regieleiter bei 550 Euro und einem IT-Techniker bei 700 Euro liegen – sollten! In Realita können vor allem die Vermietfirmen vielleicht 300 Euro, maximal 400 Euro an ihre Kunden weiterberechnen, also lediglich einen Bruchteil. Das Know-how und die Fähigkeit der Spezialisten, das hier zum Einsatz kommt, taucht damit in kaum wahrnehmbarer Größenordnung in der Kalkulation auf. Dabei sind es die Köpfe, die Konzepte und Umsetzungen in der von allen Seiten gewünschten Qualität bewerkstelligen – die Vermietung eines Beamers oder Digitalmischpultes aber bringt den Lohn der Arbeit erst ein. 

Realistische Kalkulation nötig

Ein Tagessatz von 300 Euro ergibt bei einer branchenüblichen 10-Stunden-Abrechnung einen Stundensatz von 30 Euro. Jeder Elektriker, jeder Installateur, der zu Ihnen nach Hause kommt, berechnet heute gut und gern das Anderthalbfache – Anfahrt nicht mitgerechnet. Veranstaltungstechniker absolvieren eine dreijährige Ausbildung; die Unternehmen investieren massiv in das Know-how ihrer festen und freien Mitarbeiter und sehen zu, dass sie neben dem Zugewinn an Berufserfahrung auch in Technikfragen stets up to date sind. Honoriert wird es ihnen nicht. Wenn wir also den Wert dieser Arbeit ausbildungs- und leistungsgerecht vergütet sehen wollen, dann dürfen wir ihn in Zukunft nicht mehr unter dem Punkt „sonstiges“ in der Kalkulation führen, sondern müssen dafür marktgerechte und realistische Preise aufrufen. Nur so können wir dann auch Angebote abgeben, bei denen der Einsatz von Mensch und Technik in einem korrekten, wirklichkeitsnahen Verhältnis zueinander stehen. Wir sollten die Diskussion mit den auftraggebenden Unternehmen nicht scheuen und in Zukunft die Einsicht fördern, dass die Qualität unserer täglichen Arbeit nicht zum Nulltarif zu haben sein kann. Ich wünsche Ihnen und uns, dass die 10. „World of Events“ ein Branchentreffen wird, bei dem diese Sichtweise auf Anbieter- und Auftraggeberseite auf verständige Köpfe trifft.