Eröffnungsfeier World Games 2005

(Quelle: Production Partner 2/2006)

In der Duisburger MSV-Arena fand die Eröffnungsfeier der World Games 2005 statt. Im Stadion realisierte die Kölner Niederlassung von Neumann&Müller ein intelligentes Beschallungskonzept.

Bild rechts: Links und rechts oberhalb der Musikbühne wurden Arrays mit jeweils zwölf d&b Q1-Elementen geflogen.

Bei den World Games handelt es sich um eine im vierjährigen Turnus ausgerichtete Sportveranstaltung, bei der Athleten zahlreicher Länder im sportlichen Wettstreit gegeneinander antreten. Rund 3.500 Athleten aus fast 100 Nationen stellten sich vom 14. bis zum 24. Juli in Duisburg, Bottrop, Oberhausen und Mülheim an der Ruhr ihren internationalen Konkurrenten. Die Spiele wurden in insgesamt 27 Sportstätten abgehalten und weltweit übertragen.


Beschallung

Für die Eröffnungsfeier der World Games hatte die Kölner Agentur facts + fiction die ebenfalls in der rheinischen Domstadt beheimatete Niederlassung von Neumann&Müller als Beschaller verpflichtet. Die Lichttechnik (Design: Jerry Appelt) wurde von Procon beigesteuert, und die bei derlei Veranstaltungen unabdingbare Pyrotechnik wurde von Flash Art geliefert. Die Gestaltung der Musikdramaturgie oblag Mike Herting (Headband, Härte 10,div. Filmmusiken, Arrangements für die WDR-Bigband etc.), während das Bühnenkonzept in die bewährten Hände von Jürgen Hassler gelegt wurde. Als Event-Regisseur konnte Klaus Keller verpflichtet werden; der WDR fungierte als TV-Partner und übertrug die komplette Eröffnungsfeier live im dritten Programm.

Für die Beschallung der Eröffnungsfeier gab es eine Ausschreibung, welche vom technischen Planungsbüro Elaborate Events unter Federführung von Thomas Prahl erstellt wurde. Für das Beschallungskonzept zeichnete Axel Falk (Elaborate Events) verantwortlich, der nach Gewinn der Ausschreibung durch Dipl.-Ing. Gerhard Hald und Dipl.-Ing. Matthias Kübler von der Kölner bzw. Düsseldorfer N&M Niederlassung bei seiner Arbeit unterstützt wurde. Zu Simulationszwecken wurde die „Q-Calc“-Software von d&b bemüht. Zielsetzung der Beschallung war, sowohl eine gute Sprachverständlichkeit als auch eine ansprechende Wiedergabe für die von Klassik bis Pop variierenden musikalischen Beiträge der Show sicherzustellen. Die Lautsprecher sollten möglichst exakt auf die Zuhörer ausgerichtet werden, um nicht unnötig Energie in die umlaufende Dachkonstruktion des halboffenen Stadions abzustrahlen; eine Verwendung der in der MSV-Arena fest installierten Speaker wurde nicht in Betracht gezogen, da sich Letztere nicht einzeln getrennt voneinander ansteuern lassen. Mit dem Aufbau der temporären Beschallungsanlage konnte zwei Tage vor dem Event begonnen werden; N&M war mit neun Mitarbeitern vor Ort.

 

Bild oben rechts: Das N&M-Team in der MSV-Arena: Matthias Kübler, Christian Strehl, Florian Hansch, Bernd Sagemüller, Frank Messerschmidt, Stefan Jochen, Marcel Giesemann, Gerhard Hald, Michael Felber (von links)

Die vorgenannten Anforderungen an die Beschallung legten den Einsatz von Line-Arrays nahe, und so konnte man in der Duisburger MSV-Arena eine erkleckliche Zahl von Lautsprechern aus der Q-Serie von d&b entdecken: Rund um die ovale Spielfläche des Stadions befanden sich Stacks aus jeweils drei Q1, die um einen Subbass des Typs Q-SUB ergänzt und von einem D12-Verstärker unter jedem Stack angetrieben wurden. Insgesamt kamen pro Längsseite sieben Stacks zum Einsatz, während an der kurzen Südseite fünf Stacks und an den Nordseite zwei Stacks platziert waren. Sämtliche Stacks waren als Upfiring-Varianten exakt auf die Zuschauerränge ausgerichtet und standen auf Cases bzw. Bühnenelementen, welche explizit nicht auf dem empfindlichen Stadionrasen aufgestellt werden durften. Zwischen den obersten Rangplätzen und den in unmittelbarer Nähe der Stacks befindlichen Zuschauersitzen war bei der gegebenen Aufstellung erwartungsgemäß ein Pegelunterschied auszumachen, der von Gerhard Hald mit „etwa sechs bis acht dB“ beziffert wurde. Bild unten: FOH-Platz

Die ungleichmäßige Zahl der Stacks bei Nord- und Südseite war durch den Umstand bedingt, dass während der Veranstaltung zwei Bühnen bespielt wurden: Eine zentrale Rundbühne wurde vorrangig für Moderationen genutzt, während sich das musikalische Geschehen in erster Linie auf einer großen Bühne an der Nordseite der MSV-Arena abspielte. Letztere bot einem kompletten Symphonieorchester Platz, das um einen vielstimmigen Chor und eine Rockband ergänzt wurde. Links und rechts oberhalb der Musikbühne wurden Arrays mit jeweils zwölf Q1-Elementen geflogen, welche im Bassbereich pro Seite um drei auf dem Boden aufgestellte Subs in CSA-Anordnung („Cardioid SubwooferArray“) ergänzt wurden.

Der Einsatz von zwei Beschallungssystemen („Bananen“ oberhalb der Musikbühne, Upfiring-Stacks rund um die Spielfläche) sollte für die Zuschauer auf den Rängen eine Zuordnung des akustischen Geschehens zur jeweils bespielten Bühne ermöglichen: Fand eine Moderation auf der Mittelbühne statt, konnten die Zuschauer die Ansage auch dort orten; spielte das Symphonieorchester auf, konnte das musikalische Geschehen an den meisten Sitzplätzen unmittelbar der Nordtribüne bzw. der dort platzierten Musikbühne zugeordnet werden. Möglich wurde die Ortung durch einen geschickten Einsatz von Delay-Zeiten: Bei musikalischen Beiträgen wurden die Arrays links und rechts der Bühne verzögerungsfrei (Nullzeit) angefahren, während die Upfiring-Stacks im Stadion-Oval ihre Signale mit passenden Verzögerungszeiten erhielten. Insgesamt gab es

acht unterschiedlich verzögerte Gruppen. Die Stacks wurden dabei hinsichtlich ihrer Position passend zu den Main-Arrays gedreht (im – von der Musikbühne aus betrachtet – hinteren Teil des Stadions waren die Stacks im Doppelpack mit unterschiedlicher Drehung aufgebaut, siehe CAD-Zeichnung in Abb.1), so dass eine weitgehend kohärente Wellenfront erzielt

werden konnte. Wenn der Fokus der Stadionbesucher auf die Mittelbühne gerichtet werden sollte, wurden die geflogenen Arrays abgeschaltet und ausschließlich die Upfiring-Stacks (komplett, ohne Delay!) betrieben.

Abb. mitte: CAD-Zeichnung mit Darstellung der Anordnung der Bühnen sowie der Licht- und Tontechnik

Mikrofonierung & Monitoring

Als tontechnische Steuerzentralen dienten bei der Eröffnungsfeier der World Games 2005 zwei Yamaha-Pulte des Typs PM1D (FOH und Monitor, Nordtribüne und Seitenrang), deren Input-Units mit einem großen Aktiv-Splitter verbunden waren, an welchem sich auch der Hörfunk-übertragungswagen des WDR bediente. Die komplette Signalbearbeitung erfolgte mit den Bordmitteln des PM1D, lediglich für die Hallerzeugung wurde ein Lexicon 480L als externer Prozessor gewählt.

Die Streicher wurden bei der Produktion durchweg mit Pickups (Modell DPA4061) abgenommen, während man für die Holzbläser Kleinmembran-Kondensatormikrofone (Modell AT4041 von Audio Technica) wählte. Die Trompeten mikrofonierten die Techniker mit Sennheiser MD441-Modellen, und für die Posaunen wurden MD421-Mikrofone, ebenfalls von Sennheiser, verwendet, welche auch an den Pauken zum Einsatz kamen. Für das Schlagzeug wurde eine Einzelmikrofonierung (Kick: Shure SM91, Snare: Shure Beta57, HiHat: Neumann KM84, Toms: Audio Technica AT831, Overhead: AKG C391) gewählt; die Signale von E-Bass, Keyboards und der mit einem Pickup versehenen Akustikgitarre wurden per DI-Box symmetriert und dem Splitter zugeführt. Die Gesangssolisten stattete man mit „Neuheiser“-Handsendern aus, die ihre Signale an „EM 1046“-Empfänger von Sennheiser übertrugen; im Chor konnte man diverse KM84 entdecken. Vom Orchester alleine wurden in Duisburg 60 Pultkanäle belegt.

Bild links: Upfiring-Stack für die Ränge (drei Q1, die um einen Subbass des Typs Q-SUB ergänzt und von einem D12-Verstärker unter jedem Stack angetrieben wurden); die Q10 sorgt für das Monitoring auf dem Spielfeld.

Für das komplexe Monitoring bei der Veranstaltung zeichnete Filmtonmeister Michael Felber (u. a. „Tatort“) verantwortlich, der als Freiberufler regelmäßig für Neumann&Müller tätig ist. „Die besondere Herausforderung heute Abend ist, dass man sich in einem akustisch völlig ungünstigen Gelände befindet“, sagte Felber kurz vor Beginn der Show. „Früher hätte man unter solchen Bedingungen kein Symphonieorchester spielen lassen; mit analoger Technik wäre der FOH-Platz mindestens doppelt so groß ausgefallen. Für mich persönlich stellte sich die Aufgabe, einen Monitor zu bauen, der für die Akteure auf der Bühne gut ist und dabei nicht die Veranstaltung stört.“

Die nahe am Orchester platzierte Rockband (Schlagzeug, E-Bass, Gitarre, E-Piano) wurde per In-Ear-Monitoring versorgt, wobei der Drummer aus nachvollziehbaren Gründen über Plexiglas-Stellwände von den übrigen Musikern separiert wurde. Auf den IEMSystemen war das Orchester als Stereosumme zu hören, wobei der Gitarrist eine spezielle Mischung mit besonderer Betonung der Kontrabässe und der Harfe erhielt, da er mit Letzteren in einem Part der Show synchron spielen musste. Auf eine Zumischung von Ambience-Signalen in den IEM-Mix wurde verzichtet. Für Orchester und Chor kamen auf jeder Seite der Bühne zwei d&b E3-Modelle zum Einsatz, die mit dezentem Pegel gefahren wurden und zur Orientierung lediglich den Gesang der Solisten übertrugen. Für die Solo-Sänger hatte Michael Felber am vorderen Bühnenrand drei d&b MAX-Wedges aufgebaut, auf denen das Orchester in moderater Lautstärke zu hören war. Zwei Q10-Modelle waren auf den Bereich unmittelbar vor der Bühne ausgerichtet, falls einer der Akteure spontan auf die Idee gekommen wäre, über die Bühnentreppe auf den Rasen hinab zu steigen. Damit sich auch die Akteure auf der Zentralbühne in der Mitte des Stadions hören konnten, waren zwölf Q10 (mit Nullzeit!) nach innen auf das Spielfeld gerichtet, welche selbstverständlich nur dann zum Einsatz kamen, wenn auch sonst die Nullzeit-Beschallung aktiv war (d. h. die geflogenen Arrays ausgeschaltet waren): „Etwas anderes hätte die Akteure verrückt gemacht!“, merkte Gerhard Hald an.

Text und Fotos: Jörg Küster