EXPO 2010: In Shanghai bot das „Hamburg House“ Einblicke in die Stadt der Zukunft

Hamburg

In China präsentierte sich die Hansestadt als Referenz für energiesparendes Bauen – innovative Medientechnik, attraktives Ausstellungsdesign und ein spannendes Gesamtkonzept machten den Auftritt Hamburgs zu einem besonderen – und besonders nachhaltigem – Erlebnis.

Quelle: 20 Jahre ESG Magazin

 

Wie werden wir zukünftig wohnen und arbeiten? Wie werden wir es schaffen, weniger Energie zu verbrauchen? Welche innovativen Technologien werden uns das Leben noch angenehmer machen? Antworten auf diese weltumspannenden Fragen gab es vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010 während der EXPO 2010, die in der chinesischen Metropole Shanghai stattfand. Die Weltausstellung stand unter dem Motto „better city, better life“. Neben dem Deutschen Pavillon war Shanghais Partnerstadt Hamburg mit einem eigenen Bauprojekt auf dem Ausstellungsgelände an beiden Ufern des Huangpu-Flusses vertreten. Das „Hamburg House“ präsentierte die Erfahrungen der Hansestadt im energiesparenden Bauen und gilt – vor allem mit dem Stadtentwicklungskonzept der „HafenCity“ – als Referenz für die Entwicklung und Realisierung einer nachhaltigen, energiesparenden Bauweise in Shanghai. „Wenn wir das ‚Hamburg House’ näher betrachten, könnten die Träume vieler Menschen in Erfüllung gehen“, schrieb die Zeitung „Jiefang Daily“.  

Solche Sehnsüchte zu wecken, war auch das Ziel der spannenden und durch den vielfältigen Technikeinsatz überaus erlebnisreichen Ausstellung, die die Besucher in dem viergeschossigen Passivhaus erwartete. In Anlehnung an die chinesische Tradition der Wunschbäume, zog sich ein solches – allerdings aus zehn Tonnen Stahl gebautes und mit über 300 Quadratmetern rot eingefärbtem Bambusgeflecht umspanntes – Exemplar samt Stamm, Wurzeln und einem weit verzweigten Geäst durch alle Etagen des „Hamburg House“. Symbolisch nahm der Baum die Hoffnungen und Wünsche der Menschen an eine lebenswerte Stadt auf – und erwiderte diese mit beispielhaften Lösungen, die in der Hansestadt bereits konzipiert und realisiert worden sind.  

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt hatte die Hamburger Agentur „Kontrapunkt“ in Zusammenarbeit mit Design Factory International mit der Konzeptionierung und der inhaltlichen Aufbereitung des norddeutschen Beitrags zur EXPO 2010 beauftragt. Die Umsetzung der Ausstellungs- und Innenarchitektur lag in den Händen von Holtmann Messe+Event, Langenhagen bei Hannover. Die Produktion des Medien-Contents für die unterschiedlichsten Präsentationen im Gebäude sowie die Ton- und Video-Installationen wurden von Neumann&Müller Veranstaltungstechnik verantwortet.  

Von Wunschbäumen, Paten und dem „Sound of Hamburg“  

So begrüßten bereits im Eingangsbereich des Gebäudes acht Wunschpaten – vom Hafenmeister über den Bankmanager, den Designstudenten, die Luftfahrtexpertin, den Musicaltänzer bis zum Energiemanager und eine Gruppe Schülerinnen – die Besucher zu Klängen und Geräuschen der Hansestadt, die aus den Wurzelns des Wunschbaumes zu hören waren, und führten sie als virtuelle Begleiter dann auch durch das gesamte Gebäude. Auf jeder Etage formulierten sie ihre persönlichen Wünsche an die Stadt der Zukunft. Ihre eigenen Wünsche wiederum konnten die Besucher an interaktiven Terminals eingeben, die neben den 40-Zoll-Portraitmonitoren zur Verfügung standen. Ein solcher Bildschirm war ebenfalls am Eingang passgenau in die Gebäudewand eingelassen worden und diente als zentrales Informationssystem für die Gäste – der Content hierfür konnte von einer Regie aus in Echtzeit geändert werden.

Auf der dann folgenden „Kulturetage“ präsentierte ein 65 Zoll großer Plasma-Bildschirm via Webcam prägnante Hamburger Orte wie die Landungsbrücken und den Rathausmarkt. Dazu erklang eine urbane Geräuschkulisse – die „Sounds of Hamburg“ –, zu der Besucher mit einem Trackball Orchesterklänge der Hamburger Philharmoniker arrangieren konnten. Für diesen Raum, der auch für Konferenzen zur Verfügung stand und mit umfassender Konferenztechnik ausgestattet war, hatte die Künstlergruppe „Baltic Raw“ zudem eine Holzinstallation entworfen. Während der sechs Ausstellungsmonate nutzten zahlreiche Firmen und Institutionen den Konferenzraum für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Entsprechend flexibel musste die eingesetzte Medientechnik – Ton- und Videoübertragung sowie Dolmetscherservice – geplant und installiert werden.  

Mit innovativer Technik die Zukunft schon heute erlebbar machen  

Auf dieser Ebene befand sich zudem das „Show-Appartement“: in dieser modernen Wohnung mit Design-Möbeln und -Küche konnten die Gäste einen Eindruck vom Wohnen und Arbeiten unter einem Dach bekommen. Die Funktionalitäten der innovativen Gebäudetechnologie wurden durch eine kreative und sich für den Betrachter leicht zu erschließende Art und Weise auf Touchscreens erlebbar gemacht. Ebenso benutzerfreundlich waren auch die im „Hamburg House“ verteilten Wunschpaten-Terminals, an denen die Besucher ihre Wünsche wahlweise in englisch oder chinesisch auf lediglich einer Tastatur formulieren und abspeichern konnten. Auch der weitere interaktive Content für die Präsentationen im „Hamburg House“ wurde nach den zugelieferten Vorlagen der Konzeptionierer im unternehmenseigenen Studio von Neumann&Müller in München mit Hilfe der Softwarepakete Ventuz und Flash erstellt.  

Im nächsten Geschoß präsentierte sich die Wirtschaft der zweitgrößten deutschen Stadt mit den Bereichen Hafenwirtschaft, Logistik, Luftfahrt, Life-Science, erneuerbare Energien und Medien. Ein zwei Meter großes Flugzeugmodell des Airbus A320 demonstrierte mit einer simulierten Brennstoffzellenanlage das Prinzip „Green Flying“. Zudem gab es eine Vielzahl von Informationen zu Verlagen, Rundfunk- und TV-Sendern – und zur führenden Rolle Hamburgs als „Game City“ mit ihren Multimedia-Unternehmen.

Die gesamte vierte Etage des „Hamburg House“ wurde unter das Motto „Urban Visions“ gestellt, denn Hamburg ist „European Green Capital 2011“; diese Auszeichnung erhielt die Stadt von der Europäischen Kommission. So wurden nachhaltige Stadtentwicklung und die grüne Metropole der Zukunft in Shanghai direkt erlebbar: Zum Beispiel mit dem Globus des Hamburger „Climate Service Center“, der durch verschiedene Farbprojektionen die Klimaentwicklung der Erde bis ins Jahr 2100 simuliert. Und als weitere Zukunftsprojekte stellten sich die Internationale Bauausstellung IBA und die Internationale Gartenschau igs 2013 vor.  

Europas größtem Stadtentwicklungsprojekt, der „HafenCity“, wurde ein eigener Raum gewidmet – mit der Elbphilharmonie als neuem Wahrzeichen. Ein Wasserbassin mit im Boden eingelassenen Monitoren tauchte den Raum in sphärisch schimmerndes Licht. Ein Holzrelief ließ die Dimensionen des neuen Stadtteils erahnen. Eine Beamerprojektion führte die Besucher mit einer spektakulären 3D-Animation aus dem Weltall in die Foyers, Konzertsäle und auf die Plaza der Elbphilharmonie.  

„Halle des Lächelns“ und „Markt der Produkte“  

Zum Abschluss ihres Besuchs gelangten die Gäste des „Hamburg House“ in die „Halle des Lächelns“. Hier wurden sie nämlich von hundert fröhlichen Hamburger Bürgern auf einer großen Bilderwand erwartet – und konnten gleich auch ihre eigenen Wünsche von Shanghai aus nach Hamburg schicken. Besonderes beliebt war über den gesamten Zeitraum der Ausstellung die Möglichkeit, sich vor dem Hintergrund dieser Bilderwand selbst zu fotografieren. Die geschickte Installation eines iMac und dessen integrierter Webcam machte es nämlich möglich, dass sich die Besucher vor der Wand positionieren konnten, um dann fotografiert zu werden. Per Knopfdruck wurde ihr Bild dann in den „picture loop“ der insgesamt fünf Monitore integriert, die alle portraitierten Besucher zeigten und sie so zu einem Teil der Ausstellung machten. Natürlich wollten die Gäste dies auch selbst dokumentieren – und liefen nach dem Auslösen gleich wieder auf die andere Seite, um „ich in der Galerie“ dann auch mit eigenen Kameras festzuhalten.  

Wieder im Erdgeschoss angelangt, erwartete die Besucher ein „Markt der Produkte“ mit ausgewählten Hamburger Marken sowie den Sponsoren und Unternehmen, die am Bau und der Ausstattung des „Hamburg House“ beteiligt waren. Zur Entspannung bei Essen, Getränken und ruhigem Background-Sound wurden die Gäste in die „Hamburg Lounge“ eingeladen und konnten hier, nach den vielen spannenden und innovativen Entdeckungen im Haus, kulinarische Köstlichkeiten aus Norddeutschland genießen.

Fotos: Carsten Lange

http://www.youtube.com/watch?v=31_K4L8v1Q4&feature=related