Klassik am Odeonsplatz

München

Münchens größter Openair-Klassik-Event feierte in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum.

Quelle: Event Partner 4/2010

 

Seit den Millenniumsfeierlichkeiten finden in München in jedem Jahr an einem Sommerwochenende zwei Konzertveranstaltungen (www.klassik-amodeonsplatz.de) statt, die sich weit über die bayerische Landeshauptstadt hinaus großer Beliebtheit erfreuen: Rund 8.000 Gäste finden sich pro Abend am architektonisch reizvollen Odeonsplatz ein, um in einem einzigartigen Ambiente, umgeben von historischen Bauwerken wie der Theatinerkirche und der Residenz, populären Werken klassischer Musik zu lauschen. Unterstrichen wird die besondere Atmosphäre durch eine festliche Illumination des innerstädtischen Platzes.

Im aktuellen Jahr beging die Image-Veranstaltung der Stadt München am 17. und 18. Juli ihr zehnjähriges Jubiläum, doch ein übellauniger Wettergott mochte partout nicht mitfeiern: Am Samstagabend nahm ein Sommerunwetter derart bedrohliche Dimensionen an, dass das Konzert kurz vor Beginn abgesagt werden musste, was von den bereits zahlreich erschienenen Gästen nur unwillig akzeptiert wurde. Einsicht in die besonderen Umstände wurde jedoch gezeigt, zumal der Kaufpreis der Tickets später erstattet wurde – zufriedene Gäste kommen bekanntlich gerne wieder ...

Am zweiten Abend lief bei angenehmen Temperaturen glücklicherweise alles nach Plan, und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks begeisterte unter Leitung von Mariss Jansons die Massen, zumal Angelika Kirchschlager, Thomas Hampson und Julian Rachlin als hochkarätige Solisten geladen worden waren. Christop Süß führte als Moderator durch das Programm, und die Veranstaltung wurde in diesem Jahr erstmalig live vom Bayerischen Fernsehen übertragen.

Agentur PRO EVENT als Generalunternehmer im Einsatz

Veranstalter von Klassik am Odeonsplatz ist in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk die Landeshauptstadt München. Als Generalunternehmer (Konzeption Gesamtveranstaltung, Planung und Durchführung, Vermarktung/Sponsoring/ VIP-Bereich, Werbung/PR, Ticketvertrieb) war die Pro Events Veranstaltungs GmbH beauftragt. Die Agentur mit Hauptsitz in München ist seit 1997 aktiv; Gründer, Inhaber und Geschäftsführer ist Gottfried Zuleger. Nach seinem Musikstudium war der ausgebildete Posaunist zunächst als Orchestermusiker tätig.

Später verantwortete er als Projektleiter das Musiksponsoring bei der Firma Sponsor Partners/BBDO in Bonn und übernahm bei der Münchner Produktionsfirma Art Concerts als stellvertretender Geschäftsführer von 1995 bis 1997 u. a. die Produktions- und Tourneeleitung der Welttournee der „Carmina Burana Open Air Opera“.

Aktuell beschäftigt Pro Events einen Stamm von acht bis zehn fest angestellten Mitarbeitern und unterhält jenseits der bayerischen Landeshauptstadt eine kleine Dependance in Berlin. „Wir haben uns ganz bewusst für diese Agenturgröße entschieden“, sagt Gottfried Zuleger.„Mit einer solchen Größe kann man sehr flexibel reagieren und Kunden das beste Ergebnis für ihr Geld liefern. Wenn wir Know-how benötigen, das wir nicht im Haus haben, holen wir entsprechende Spezialisten hinzu – auf diese Weise muss man nicht heute einen Mitarbeiter als Fachmann für Fußball verkaufen, der morgen einem anderen Kunden als Spezialist für Musik vorgestellt wird ...“ Bei ihrer Gründung hatte die Agentur ihren Tätigkeitsschwerpunkt in München, doch Gottfried Zuleger weist darauf hin, dass man mittlerweile „national und bei einem entsprechenden Wunsch unserer Kunden auch in ganz Europa“ tätig wird.

Zum Angebot von Pro Events gehören neben Public Events wie Klassik am Odeonsplatz auch Corporate Events, und erwartungsgemäß räumt Gottfried Zuleger wie viele Branchenkollegen ein, dass „das Geschäft in den letzten beiden Jahren nicht ganz einfach“ gewesen sei. „Inzwischen geht es zwar allen wieder ein klein wenig besser, aber der Kostendruck ist deutlich höher geworden“, hat der Geschäftsführer ausgemacht. Nicht überraschend gilt dies auch für eine Veranstaltung wie Klassik am Odeonsplatz, wobei Zuleger eine Einschränkung macht: „Als wir die Veranstaltung vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Kunden aufgesetzt haben, war von Anfang an klar, dass es sich um ein Orchesterfestival handeln würde – die beiden Toporchester der Stadt sollen sich in ihrer ganzen Stärke präsentieren, und die Stärke eines Orchesters st nun einmal sein Klang. Insofern war immer klar, dass der Tontechnik eine besonders wichtige Rolle zukommt und an diesem Punkt nicht gespart werden darf! Natürlich ist auch die Gebäudeillumination wichtig, denn mit dem reinen Hören alleine ist es bei einem solchen Event nicht getan. Wir inszenieren den Odeonsplatz, wobei der Ort als solcher natürlich bereits in seinem Ausgangszustand ganz wunderbar ist.“

Mischung aus Kultursponsoringund VIP-Hospitality

Dass die Nutzung eines innerstädtischen Platzes für einen Event dieser Größenordnung mit allerlei organisatorischen Aufgaben behaftet ist, liegt auf der Hand. Im Gespräch weist Gottfried Zuleger darauf hin, dass beispielsweise mit sämtlichen Anwohnern Übereinkünfte zu treffen und individuelle Durchfahrtsscheine auszustellen sind – nur ein kleiner Teil aspekt, und in Summe betrachtet würde sich ein „normaler“ Konzertveranstalter sicher zwei Mal überlegen, ob er einen derartigen Aufwand für eine Veranstaltung betreiben möchte, zumal sich ganz in der Nähe der für größere Ereignisse deutlich unkritischere Königsplatz befindet. Auf Letzterem sind auch Sponsorpräsenzen erlaubt, die am Odeonsplatz untersagt sind. Dabei ist die Unterstützung durch Sponsoren für Klassik am Odeonsplatz ein wichtiges Thema: „Die Stadt gibt den Platz für Veranstaltungen nur unter gewissen Rahmenbedingungen frei“, verrät Gottfried Zuleger. „Dazu gehört unter anderem, dass die Eintrittspreise bürgernah gestaltet werden – bei unseren aktuellen Kartenpreisen sind wir somit gezwungen, 30 bis 40 Prozent des Gesamtbudgets über Sponsoring und Nebeneinnahmen zu erwirtschaften.“ Gottfried Zuleger berichtet: „Das Sponsormodell ist auf die örtlichen Verhältnisse abgestimmt – wir haben ein Partnerschaftskonzept entwickelt, bei dem die Sponsorpräsenzen nicht die oberste Priorität besitzen. Im Gegenzug gibt es einen sehr exklusiven VIP-Bereich, der für unsere Kunden der wichtigere Aspekt bei ihren Aktivitäten ist. Pro Abend können wir rund 1.000 VIP-Gäste begrüßen.“ Die Mischung aus Kultursponsoring und VIPHospitality scheint anzukommen: Unternehmen wie American Express, BayernLB, Mercedes Benz München, O2 Germany, harman/kardon, Omega, Pioneer Investments und Porsche Design nutzten oder nutzen Klassik am Odeonsplatz als B2B-Plattform.

Zum wetterbedingten Ausfall der samstäglichen Veranstaltung befragt, spricht Gottfried Zuleger von einer „katastrophalen Situation“, zumal das Konzert ausverkauft war und das zehnjährige Jubiläum mit einem hochkarätigen Programm gefeiert werden sollte. „Bis kurz nach 20 Uhr hatten wir noch gehofft, dass sich das Wetter wieder beruhigt“, sagt Zuleger und berichtet, dass die überwiegende Mehrheit der Gäste mit Regenschirmen und Capes bewaffnet auf dem Odeonsplatz erschien.

„Es war einfach ein Drama, das natürlich auch eine finanzielle Komponente besitzt: Wir sind zwar versichert, aber eine Versicherung tritt in einem solchen Ausnahmefall natürlich auch nicht unbedingt freudestrahlend in Aktion ...“

Auf Gottfried Zuleger wartete nach dem Klassik-Event am Odeonsplatz übrigens direkt die nächste Großproduktion: Eine Woche später wurde von Pro Events mit dem „Münchner Sommernachtstraum“ ein weiterer Public Event mit ca. 50.000 Zuschauern realisiert.

Ton- und Licht-Technik auf höchstem Stand 

Für die Veranstaltungstechnik auf dem Odeonsplatz zeichnete Neumann&Müller Veranstaltungstechnik verantwortlich. Die in Kürze das dreißigjährige Firmenjubiläum begehenden Technikspezialisten kümmerten sich um Licht und Bühne (Stageco) sowie die überaus aufwändige Beschallung. Eine LED-Großbildanzeige links der Bühne steuerte die Gahrens + Battermann GmbH bei; die Firma aus Bergisch Gladbach übernahm als Förderer der Veranstaltung bereits zum sechsten Mal eine Konzertpatenschaft.

„Was wir hier machen ist noch ein wenig spannender als ein Surround-Konzept“, erläuterte Rudolf Pirc, der im Auftrag von Neumann&Müller als Sounddesigner tätig wurde und die Veranstaltungsreihe von Beginn an begleitet. „Zum Einsatz kommen ein aus elf Audiosummen zusammengesetzter Nearfill sowie ein Midfill aus sechs Summen, die in ihrer Funktionsweise an ein Delta-Stereophoniesystem (dezentral aufgebautes Beschallungssystem zur richtungs- und entfernungsgetreuen Abdeckung großer Flächen, Anm. d. Aut.) angelehnt sind. Da wir die Summen in geeigneter Form auf die unterschiedlichen Lautsprecher verteilen, entstehen auf dem Platz zwölf Ortungszonen.“ Die Signalaufteilung erfolgte in München über zwei digitale Yamaha-Signalprozessoren des Typs DME64N, die neben dem Routing auch für die erforderlichen Verzögerungszeiten nebst geeigneter Entzerrung zuständig waren. Das elaborierte Setup entstammte der Feder von Toni Spirkl, der auf technischer Seite ebenso wie Rudolf Pirc bereits seit Jahren in die Klassikkonzerte am Odeonsplatz involviert ist. Die benötigten Audiosummen erhielt Spirkl von Yamahas Digitalpultschlachtschiff PM1D, das mit einer wetterfesten Spezialhaube ausgerüstet war. Den Haupthall lieferte als externer Prozessor ein Lexicon 480L.

Insgesamt galt es, ein bestuhltes Areal mit einer Länge von 175 Meter und einer Breite von etwa 50 Meter in bester Qualität zu beschallen. Die Main-PA, die sich aus Units der J-Serie von d&b audiotechnik zusammensetzte, wurde dabei erst in einem Bereich ab 45 Meter Entfernung von der Bühne deutlich vernehmbar, während in den vorderen Sitzreihen eine Mischung aus im Rigg montierten Lautsprechern sowie auf dem Boden und an der vorderen Bühnenkante platzierten Boxen in Kombination mit dem direkt von der Bühne kommenden Klang zu vernehmen war. Etwa in der Mitte des Platzes wurde das akustische Geschehen durch zwei geflogene Delay-Linien (Line-Arrays aus der Q-Serie von d&b) aufgefrischt angesichts der hier den Platz von der Südseite querenden Brienner Straße fraglos eine sehr gute Idee, um die erste Wellenfront und damit die Ortung sicher auf den hinteren Teil des Platzes zu bringen. Zudem wirkten die Delays einer unerwünschten Verengung des Stereobilds über die große Distanz entgegen.

Der hintere Teil des Odeonsplatzes wurde ergänzend zum „Direktschall“ aus den Line-Arrays auf einer Länge von 75 m mit einem künstlich erzeugten Raumeindruck versehen: Zum Einsatz kam ein Vivace-Mainframe, der vier unterschiedliche Ausgangssignale lieferte, die wiederum mit individuell unterschiedlichen Bearbeitungen auf zwölf um die Zuhörerplätze aufgestellte JBL-Lautsprecher des Typs VRX 932LA verteilt wurden. Entwickelt wurde Vivace vom renommierten Ingenieurbüro Müller-BBM; vertrieben wird das noch recht junge Digitalsystem über Salzbrenner Stagetec. „Wir sind in der glücklichen Lage, dieses innovative System bereits praktisch einsetzen zu können“, freute sich Rudolf Pirc in München und wies darauf hin, dass die digitale Raumakustiklösung derzeit auch bei den Passionsspielen in Oberammergau von Neumann & Müller eingesetzt wird. Ohne weiter auf technische Details einzugehen: Vivace simuliert naturnah beliebige Räume, die über einen intelligenten Faltungsalgorithmus den Weg in den Rechner finden. Betreut wurde das Vivace- System auf dem Odeonsplatz durch Gunter Engel, der den Klang an beliebigen Positionen mithilfe eines per WLAN angebundenen Laptops samt zugehöriger Remote-Software kontrollieren konnte.

Das in der Feldherrnhalle untergebrachte Orchester wurde durchgängig mit Schallwandlern von Schoeps mikrofoniert, die aus den Beständen des Bayerischen Rundfunks stammten der die Veranstaltung live in Bild und Ton übertrug. Auf eine unter Klangaspekten mitunter nicht ganz überzeugende Nahmikrofonierung mit Clips wurde verzichtet; lediglich bei einzelnen Solisten wurde eine Ausnahme gemacht. Die Drahtlostechnik wurde mit Funkstrecken von Sennheiser realisiert;beim Monitoring setzte man auf ein etabliertes Konzept mit sparsam verwendeten Wedges.

Mit den Aufbauarbeiten hatte das Technikteam bereits dienstags und somit vier Tage vor der ersten Veranstaltung begonnen; eine besondere Herausforderung stellte wie in jedem Jahr der Umstand dar,dass es sich beim Odeonsplatz um ein Münchner Touristenhighlight mit hoher Publikumsfrequenz und innerstädtischem Lieferverkehr handelt. Letzteres bedingt nicht nur besondere Vorsicht während des Aufbaus, sondern erschwert auch das Einmessen der Beschallungsanlage sowie insbesondere eines akustisch fein auszutarierenden Systems wie Vivace.

Jenseits des Tons trägt das Licht in jedem Jahr wesentlich zur Atmosphäre der Veranstaltung bei: Flackernde LED-Backdrops und wild wackelnde Moving Lights wären bei einem Event dieses Charakters sicher nicht angebracht, und so wurde durchgängig mit ruhigen, allerdings sehr stimmungsvollen Lichtbildern gearbeitet. Speziell auf der Rückwand der Feldherrnhalle überraschten geschmackvolle Strukturen in satten Farben – der gewünschte Effekt konnte dabei mit vergleichsweise wenig Material erzielt werden. Auch der umgebende Platz wusste zu gefallen, denn die Stadt hatte die normale Straßenbeleuchtung abgeschaltet, so dass die Häuserfassaden ausschließlich in warmes PAR-Glühlampenlicht getaucht werden konnten.

Klassik am Odeonsplatz als Marke etabliert

Bei Klassik am Odeonsplatz konnten zahlreiche Gäste begrüßt werden, die mutmaßlich sonst eher nicht bei klassischen Konzerten anzutreffen sind. Gottfried Zuleger erläutert: „Wir haben in der Vergangenheit diverse Umfragen gemacht, um in Erfahrung zu bringen, wer uns überhaupt besucht  nicht nur, um die Sponsoren zufrieden zu stellen, sondern auch, um unsere eigenen Werbemaßnahmen zu optimieren. Bei Klassik am Odeonsplatz haben wir ein Event-Publikum und nicht die klassischen Konzertgänger. Unser Publikum schätzt den Platz, und wir wissen, dass das Hauptkaufargument für ein Ticket die Atmosphäre vor Ort ist. Erst danach kommt das Programm und dann die Künstler.“

Die besondere Konstellation findet ihren Niederschlag in der Programmauswahl: „Wir wollen Anspruchsvolles anbieten und auch nicht austauschbar sein“, sagt Gottfried Zuleger daraufhin angesprochen. „Nichtsdestotrotz müssen wir auch darauf achten, dass man die Auswahl der Musik letztlich verkaufen kann, und so würden wir beispielsweise kein komplett zeitgenössisches Programm anbieten.“ Laut Zulegers Aussage sind die Hälfte der Besucher „Wiederholungstäter“ mit drei oder mehr Besuchen, und der Agenturinhaber spricht zufrieden von einer „hohen Kundenbindung“. Zuleger: „Wir haben mit Klassik am Odeonsplatz eine Marke geschaffen, die einen Wert hat und die wir nun beständig pflegen. Es gab sogar ein Jahr, in dem wir das genaue Programm im Vorfeld nicht kommunizieren konnten, und die Karten wurden dennoch gekauft! Unsere Gäste wissen ganz einfach, dass sie bei uns gut bedient werden und Qualität für ihr Geld bekommen.“

Bei den auftretenden Künstlern ist das Format inzwischen ebenfalls etabliert: „Für die Künstler ist das Openair-Gefühl auf dem Odeonsplatz ein ganz besonderes Erlebnis“, weiß Gottfried Zuleger.„Vor zehn Jahren vielleicht sogar noch ein wenig mehr als heute, und anfangs mussten wir mit unserer Idee durchaus gegen ausgeprägte Vorbehalte kämpfen. Mittlerweile kennen die Orchester die Veranstaltung jedoch, und sie wissen, dass wir alles dafür tun, damit sie vor Ort optimale Spielbedingungen vorfinden.

Wir haben es geschafft, uns in Künstlerkreisen eine hohe Reputation zu erarbeiten, und Künstler von Weltruf kommen sehr gerne zu uns!“ Die Abläufe rund um den zweitägigen Event haben sich im Lauf der Jahre eingespielt, wobei Gottfried Zuleger darauf hinweist, dass dennoch kein Jahr wie das andere ist Vorschriften ändern sich, Bestuhlungspläne müssen angepasst und Sicherheitsmaßnahmen modifiziert werden: „Ich kann nicht sagen, dass es vom ersten Event bis jetzt weniger Arbeit geworden wäre“, sagt Gottfried Zuleger. „Außerdem versuchen wir natürlich, die Veranstaltung jedes Jahr noch ein kleines bisschen besser zu machen.“

8.000 Herzen im Dreivierteltakt 

Der Autor hatte das Vergnügen, während der nachmittäglichen Probe das Beschallungssetup im A/B-Vergleich mit/ohne Vivace zu hören, und der Unterschied war frappierend: Bereits ohne die digitale Raumsimulation war das akustische Erlebnis auf den letzten 70 Metern des bestuhlten Areals durchaus in Ordnung, bei Einbindung von Vivace tat sich dann jedoch im wahrsten Sinn des Wortes eine neue Dimension auf. Interessanterweise blieb die Ortung der Klangquellen auf der Bühne erhalten, und „Otto Normalhörer“ mag sich auf einem Sitzplatz vielleicht sogar gefragt haben, ob die zwölf JBL-Lautsprecher überhaupt in Betrieb seien – erst beim direkten Hören mit und ohne Raumsimulation wurde offenkundig, wie positiv die zusätzliche akustische Information das Klangempfinden beeinflusste und ein Eintauchen in die Musik begünstigte.

Die den Platz umgebenden Häuserwände beziehungsweise die durch sie entstehenden Reflexionen traten weit weniger störend in Erscheinung, als es der Autor beim ersten Blick auf den Platz vermutet hätte. Dies mag vielleicht ein wenig den prunkvoll verzierten und somit den Schall streuenden Fassaden, ganz sicher aber einer geschickten Ausrichtung der beteiligten Lautsprecher zuzuschreiben sein. Positiv zu bewerten ist, dass in Zeiten allgemeiner Sparzwänge an der Beschallung offenkundig nicht gespart und den zahlenden Gästen auf allen Plätzen ein hochwertiges Hörerlebnis geboten wurde, das dem gemeinhin an klassische Musik gestellten Anspruch auf ganzer Linie gerecht wurde.

Leichte musikalische Kost, garniert mit viel Süßem ...

Musikalisch aufgetischt wurde am 18. Juli ab 20:15 Uhr nach einem Auftakt mit Suppés „Leichter Kavallerie“ viel leichte Kost: Angelika Kirchschlager wollte sich in ein purpurnes Kleid gewandet von ihrem Liebsten gerne „das Szepter führen“ lassen, zumal Thomas Hampson „dunkelrote Rosen“ überreichte, von denen schöne Frauen bekanntlich wissen, was sie bedeuten: „Lippen Schweigen, s’flüstern Geigen. Hab mich lieb!“ Thomas Süß machte als Moderator seinem Nachnamen alle Ehre, und die Elogen auf die Landeshauptstadt, die Künstler und das anwesende Publikum verklebten mit den walzerseligen Melodien zu einem zuckrigen, mit deutlich zu vielen Rosinen gespickten Kaiserschmarren. Letzterer wurde vom Publikum allerdings mit größtem Genuss goutiert, und ein kalorienreiches Dessert in Form mehrerer Zugaben inklusive der obligatorischen gemeinsamen Performance aller drei Solisten wurde lautstark eingefordert. Speisenfolge, Darreichung und Ambiente präsentierten sich dabei in sich absolut stimmig; ein Abstecher in die Nouvelle Cuisine hätte definitiv nicht ins Konzept gepasst.

Dass die Veranstaltung am Odeonsplatz 2011 erneut stattfinden wird, steht trotz der samstäglichen Wetterkatastrophe außer Frage: „Natürlich wird die Veranstaltung weiterhin ausgerichtet – im kommenden Jahr dann aber bitte ohne Wetterkapriolen ...“, schmunzelte Gottfried Zuleger. 

Technikteam Neumann&Müller (Auszug)

  • Rudolf Pirc: PL / Sound Design
  • Jörg Moder: Tonmeister
  • Michael Kennedy: Toningenieur
  • Toni Spirkl: Matrix Programmierung / Systemtuning
  • Gunter Engel: Programmierung Vivace
  • Christian Rohde: TL / Netzwerk
  • Christoph Müller: Stage Manager 

Text: Jörg Küster

Fotos: Ralph Larmann für N&M,