Arbeit schafft Integration - Unser Auszubildender Shamshad kam von Afghanistan nach Taufkirchen

Quelle: Bürgerjournal der Gemeinde Taufkirchen - Ausgabe November 2017 | Text: B. Zenger-Landolt

Geburtstag feiern? Das ist für Shamshad gar nicht so einfach. Sein Vater und seine Mutter konnten ihm nicht genau sagen, wann er geboren ist. In dem afghanischen Dorf, in dem er aufgewachsen ist, spielten Geburtstage keine Rolle, Grund zum Feiern hat der Asylbewerber aus den Feel Home Häusern jetzt aber trotzdem: er hat einen Ausbildungsplatz!

Der 21-Jährige wohnt seit zwei Jahren in Taufkirchen, hat den Integrationskurs erfolgreich abgeschlossen, und dabei nicht nur gut Deutsch gelernt, sondern auch vom Berufspraktikum profitiert. Da er als afghanischer Soldat bereits Erfahrung im Bereich Logistik hatte, war er sehr froh, als ihm die Helferkreis-Projektgruppe "Wege in die Arbeit" in unserer Niederlassung in Taufkirchen einen passenden Praktikumsplatz vermitteln konnte. Im September konnte Shamshad dort eine zweijährige Ausbildung zum Fachlagerist beginnen. Strahlend erzählt er, was er dabei alles lernt: sachgerechte Einlagerung von Waren, Lagerbestände überprüfen, Lieferungen kontrollieren - auch am Computer wird gearbeitet. Und wenn alle gemeinsam Mittagspause machen, spürt er: er gehört jetzt richtig dazu.

Was ihm an Deutschland auffällt? Er ist beeindruckt, wie offen, höflich und freundlich die Menschen hier sind. Seine Mitschüler helfen ihm immer gerne, wenn er ein Wort nicht versteht, und auch die Arbeitskollegen kann er jederzeit fragen - sie schauen auch mal über einen Bericht, den er für die Berufsschule geschrieben hat, um das Deutsch zu verbessern. Bei Alltagsproblemen hilft ihm Alexandra Kraus aus dem Helferkreis. Arzttermine hat sie beispielsweise für ihn vereinbart, als er es selber noch nicht konnte, und gelegentlich druckt sie auf Ihrem Drucker ein Dokument für ihn aus. Sogar ganz fremde Menschen, die er im Fitnessstudio trifft, sind hilfsbereit, wenn er nicht weiß, wie man die Gewichte im Kraftraum richtig einstellt. Da fragt er sich manchmal nachdenklich, ob auch er so nett gewesen wäre, wenn so viele Fremde in sein Dorf in Afghanistan gekommen wären. Von einer "kippenden Stimmung" in Deutschland spürt er nichts. Er hat noch keinerlei Anfeindungen erlebt. Und falls ihm das mal passieren sollte, will er einfach sagen: "Ich lerne hier, ich arbeite hier, und ich tue nichts Schlechtes."

Shamshad