Technik macht Spaß

(Quelle: Event Partner 6/2007)

Die erste IdeenExpo in Hannover begeisterte mehr als 160.000 meist junge Besucher für Naturwissenschaften und Technik. Gemeinsam mit den Veranstaltungstechnikern von

Neumann & Müller setzte die Hamburger Agentur C3 unter anderem 250 Exponate informativ in Szene

Niedersachsen-MP Christian Wulff „auf Augenhöhe“ mit dem Nachwuchs

Lehrer Reinhard Sinnigen und seine Grund-, Real- und Berufsschüler hatten eine Idee: Sie entwickelten eine automatische Tafelputzmaschine und lösten damit eine der wohl nervigsten Aufgaben im schulischen Alltag. Dass sich diese Innovation in der Praxis umfassend durchsetzt, darf wohl bezweifelt werden, aber auf der IdeenExpo 2007 in Hannover gehörte das Team mit seinem Exponat zu den Publikumslieblingen. Im Rahmen eines Ideenfang-Wettbewerbs der Stiftung Niedersachsenmetall war die Tafelputzmaschine als eines von 29 Schülerprojekten unter insgesamt 250 Exponaten für die erste IdeenExpo 2007 in Hannover ausgewählt worden. Neun Tage standen der Deutsche Pavillon und Teile des ehemaligen Expo-Geländes vom 6. bis zum 14. Oktober 2007 ganz im Zeichen von Innovationen und Ideen. Vor dem Hintergrund einer Kampagne des Landes Niedersachsen verfolgten die Verantwortlichen mit dem unterhaltsamen und fantasievollen Public Event das Ziel, junge Menschen für Naturwissenschaften und Technik zu begeistern. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung (DIW) konnten im vergangenen Jahr bundesweit etwa 50.000 Ingenieursstellen nicht besetzt werden, 2.000 davon in Niedersachsen. Dabei wird der gesamtwirtschaftliche Schaden auf knapp 3,5 Milliarden Euro beziffert. Alarmierende Zahlen, denen die Norddeutschen mit der IdeenExpo aktiv etwas entgegensetzen möchten – auch als mögliches Vorbild für andere Bundesländer und den Bund. Ob das Konzept in der Praxis fruchtet, wird die Zukunft zeigen. Doch zumindest liefen die Veranstalter nicht nur bei Schulen offene Türen ein: 79 Unternehmen nutzten die Gelegenheit für eine Begegnung mit dem Nachwuchs – unter anderem Volkswagen, Siemens, die Deutsche Post oder das Landeskriminalamt Niedersachsen, das den jugendlichen Besuchern zeigte, wie spannend der staubtrockene Physikstoff aus der Schule im Polizeialltag

zum Einsatz kommt.

Das sympathische Titelmotiv der IdeenExpo2007

108 Tonnen Equipment

Auch Neumann & Müller, deren Filiale in Hannover die technische Umsetzung der IdeenExpo abgewickelt hatte, konnte sich über einen Mangel an Aufmerksamkeit nicht beklagen: „Das Interesse der Jugendlichen war wirklich enorm.Klar, dass einem da während der Veranstaltung

auch mal Löcher in den Bauch gefragt werden“, erzählt Roger Clarke, der das technische Design für den Event entwickelte. Insgesamt 108 Tonnen Equipment benötigten er und sein Team, um die 73.000 Quadratmeter große Veranstaltungsfläche ins rechte Licht zu rücken:

450 Scheinwerfer, über 16 Kilometer Kabel, 96 Plasmas, 140 Monitore und modernste LED-Technik gehörten ebenso zur Ausstattung wie 3,3 Kilometer Traversen, die als Tragekonstruktion für 7.800 Quadtratmeter Zeltplane, Lautsprecher und Licht dienten. Darüber hinaus bildeten 17.500 Quadratmeter Holzplatten die Unterkonstruktion für den Fußboden, und allein 5.300 Quadratmeter Fußbodenbelag mussten für die Themenwelten im Deutschen Pavillon verlegt werden. „Der technische und logistische Aufwand für diese Veranstaltung war riesig. Zumal die Location nicht so einfach ist“, berichtet Geschäftsführer Carsten Gluth, der mit dem Team seiner 1997 gegründeten und international agierenden Agentur „C3 Carpe Connect Communications“ die Generalverantwortung für den Event trug. „In einer normalen

Messehalle stehen die Grundvoraussetzungen fest, für diese Veranstaltung mussten sämtliche Genehmigungen eingeholt und Sicherheitsaspekte geklärt werden. Das klingt lapidar, aber es beginnt bei der Stromversorgung und geht bis zur Notfalldurchsage.“ Eine der größten Herausforderungen für das Team von Neumann & Müller ergänzt Roger Clarke:

„Wir haben bei dieser Veranstaltung das bisher größte CobraNet weltweit geschaffen“,

sagt er nicht ohne Stolz. Zentral gesteuert von einer Hauptregie konnte damit über Glasfaserkabel der Datenfluss im Ton-, Video- und Lichtnetzwerk bedient werden. Per Knopfdruck wären so beispielsweise Notfalldurchsagen auf dem kompletten Gelände oder auch nur punktuell möglich gewesen.

„Zum Glück mussten wir diese Funktion nicht nutzen. Es gab keinen einzigen Zwischenfall – und das bei der Zielgruppe.Die haben nicht mal was geklaut“,

sagt Roger Clarke mit einem Augenzwinkern...

Wissenschaftsshow mit TV-Moderator Ranga Yogeshwar

Eingespieltes Team

Schon beim Pitch hatte sich C3 zusammen mit Neumann & Müller als Team präsentiert: „Wir haben in der Vergangenheit bereits gute Erfahrungen miteinander gesammelt. Bei einem Event dieser Größenordnung gehören ein perfekter Logistik- und Technikablauf zu den

Grundvoraussetzungen. Auch in Stresssituationen muss man sich aufeinander verlassen können. Deshalb ist für uns als Agentur die emotionale Ebene innerhalb des Teams ebenso wichtig wie die fachliche Komponente“, so Carsten Gluth. Ein Aspekt, der im Falle der IdeenExpo 2007 offensichtlich gut klappte, denn nach sechs Wochen gemeinsamer Aufbauzeit,

neun Tagen Veranstaltung mit 19 Stunden Dauereinsatz und noch mal zehntägiger Abbauphase überwog nicht etwa der „Lagerkoller“, sondern ein „Schlucken“ im positiven Sinn: „Ein Projekt wie dieses schweißt schon sehr zusammen. Wir arbeiten mit vielen freien Technikern,

deshalb erlebt man einen solchen Zusammenhalt wie bei diesem Event nicht so oft“, erzählt Roger Clarke.

Konzerte, u a. mit Reamonn, sorgten für Unterhaltung bis in die späten Abendstunden

Wirbelsturm im Wasserglas

Technik und Naturwissenschaften spannend und kreativ zu präsentieren, lautete die Aufgabe, die das Team bei der IdeenExpo 2007 lösen musste. Dabei kam es den Veranstaltern darauf an, die meist jungen Besucher zum Experimentieren, Staunen und Diskutieren einzuladen. Keine Messe im eigentlichen Sinne, sondern ein Event, bei dem Mitmachen zum A und O werden sollte. Interaktiv und anschaulich standen dabei die vier Schwerpunktthemen Mobilität, Leben und Umwelt, Kommunikation sowie Energie und Produktion

im Mittelpunkt. „Als Agentur haben wir den Rahmen für die verschiedenen Themenwelten geschaffen. Die eigentlichen Inhalte kamen natürlich von den jeweiligen Ausstellern“, berichtet C3-Projektmanager Matthias Loewe.

„Das umfasst viel Beratungsarbeit und Abstimmung im Vorfeld. Dafür hatten wir allein zehn Mitarbeiter an einer extra eingerichteten Hotline.“ Ob Wirbelsturm im Wasserglas, der schnellste laufende Roboter, autonome Mikroflugzeuge, Kochen mit Stickstoff oder 600 Stahlrosen, die im Laufe der Veranstaltung auf dem sogenannten Stahlcampus hergestellt

wurden: Etwa 250 Aktionen und Projektstände – jeder davon mit Telefon und Internetzugang ausgestattet – setzte das Team mit Hilfe eines modularen Standkonzeptes in Szene. Hinzu kamen einzelne Themenwelten wie das „Rohstoffland“ in der 1.700 Quadratmeter großen „Black Box“ des Deutschen Pavillons (sie beherbergte im Rahmen der Expo 2000 die „Sechs Brücken in die Zukunft“). Dort präsentierte das Land Niedersachsen seine Ressourcen: Bodenschätze wie Erdöl, Kohle, Salz und Gas gehörten ebenso dazu wie Wind und die Büsten wichtiger Erfinder und Denker. Neben den 75 überwiegend niedersächsischen Unternehmen,

24 Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie 29 Schülergruppen, die ihre Projekte präsentierten, gehörten auch weitere Aktionen auf der Expo Plaza und dem Campus Mobile Ideen zum Konzept des Events – unter anderem Workshops, Experimentiervorträge und

Wissenschaftsshows, die von TV-Größen wie Ranga Yogeshwar und Juri Tetzlaff moderiert wurden. Und auch abends gab es keinen Grund, das heimische Sofa aufzusuchen: Konzerte mit Reamonn, Marquess oder Kool & The Gang sorgten dafür, dass das Expo-Gelände bis in die späten Abendstunden hinein gut besucht war. Um das Publikum jederzeit auf die verschiedenen Veranstaltungen aufmerksam machen zu können, sendete das extra eingerichtete „IdeenExpo TV“ den ganzen Tag lang Berichte und Ankündigungen.

So hatten die Besucher jederzeit die Möglichkeit, sich über Monitore über die laufenden Aktionen zu informieren.

„Kochen mit Stickstoff“ – eine der zahlreichen Interaktionen zu den Themen Naturwissenschaften und Technik

Erneute Auflage der IdeenExpo 2009

Rund 160.000 Besucher strömten über die gesamte Dauer hinweg auf die IdeenExpo 2007. Pünktlich um neun Uhr standen insbesondere während der Woche zahlreiche Schulklassen an den Eingangstoren, um auf das Gelände zu kommen. Für einen geregelten Einlass hatte C3 ein ausgeklügeltes System entwickelt, durch das zu Spitzenzeiten etwa 1.000 Personen innerhalb von drei Minuten geschleust werden konnten. Am Ende des Events gehörten

neben den begeisterten Besuchern auch 1.200 müde, aber glückliche Aussteller und über 300 sehr gut besuchte Veranstaltungen zur Bilanz der ersten IdeenExpo in Hannover. Ebenso wie etwa 250 Teammitglieder, die mit Herzblut für den reibungslosen Ablauf gesorgt haben: „Für

mich persönlich ist die Aufbauphase bei einem Event wie diesem das Schönste. Wenn alles wächst und sieben Monate Planung plötzlich zum Leben erwachen“, fasst C3-Projektleiter Matthias Loewe zusammen. Dabei sind er und seine Mitstreiter sich einig:

„Uns alle hat am meisten die Begeisterung der Menschen fasziniert, egal ob vor oder hinter den Kulissen.“ Und die ist offensichtlich auch bei Veranstaltern und Politikern angekommen: „Der Schlüssel für den Erfolg war die Begegnung auf Augenhöhe“, sagte Ministerpräsident

Christian Wulff über den Austausch zwischen jungen Leuten und Verantwortlichen aus Wirtschaft und Forschung. Gleichzeitig gab er grünes Licht für eine erneute Auflage: „Die IdeenExpo wird in Zukunft alle zwei Jahre stattfinden, die nächste also 2009“, kündigte er an.

Text: Dörte Schmidt

Fotos: Ralph Larmann; IdeenExpo GmbH